Sendesoftware für Radios

Das Thema Software zum Senden ist ein ganz besonders. Gute Software ist für den Heimgebrauch einfach nur teuer. Für meine Sendesoftware habe ich beispielsweise eine uralte Lizenz. Wenn ich diese erneuern wöllte müsste ich nun pro Jahr bezahlen (was ich bei einem angemessen Preis durchaus auch bereit wäre), und noch ein Cloud-Paket dazu buchen (was ich nicht brauche). Aber was brauche ich eigentlich zum senden? In diesem Artikel möchte ich einige Anforderungen formulieren.

Was brauchen wir?

Eine für mich ideale Sendesoftware würde aus drei Teilen bestehen:

  1. Ein Teil zum Organisieren des Archivs
  2. Ein Teil zum Planen der Sendung
  3. Ein Teil zum abwickeln der eigentlichen Sendung

Bei meiner bisherigen Arbeit nutzte ich für Punkt 1 und 3 jeweils eine Software. Für die Planung hingegen reichte mir entweder ein Stift und Papier oder die Suche meiner Sendesoftware. Beim Zusammenspiel zwischen der Software für Archiv und Senden hatte ich gelegentlich Probleme, da der MP3-Standard irgendwie unterschiedlich interpretiert wurde und beide Firmen der Meinung waren, dass jeweils die andere Firma einen Fehler machte. Im Speziellen gab es Probleme mit Umlauten der exportierten Playlisten, gelegentlich der Codierung und dem Speichern der Coverbilder in der MP3-Datei.

Meine Erfahrung zeigt: Die Software sollte vielleicht doch aus einem Haus kommen. Aber was sind die Anforderungen?

Das Archiv

Wer bei seiner Sendung nicht nur Titel an- und absagen möchte wird mehr verwalten müssen als nur ein paar tausend Lieder. Es kommen noch Jingles, Beiträge, Musikbetten, Werbung und andere Audiodateien dazu. Außerdem habe ich meine Musik in „Eigene Musik“ und „Promos“ unterteilt.

Für mich ist es auch wichtig, detaillierte Daten zu verwalten. Dazu zählen neben Interpret, Titel und Albumname auch die Nummer der CD, die Titelnummer, das Erscheinungsjahr der CD, das Erscheinungsjahr des Liedes, der ISRC, die EAN. Eine Kategorisierung, die Sprache und ein Vermerk auf ähnliche Lieder (das selbe Lied bspw. einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch).

Natürlich sollte die Software in der Lage sein, CDs zu importieren und dies in verschiedenen Formaten (MP3, OGG Vorbis, FLAC). Eine Möglichkeit die Lieder auch anzuhören ist obligatorisch. Dafür reicht hier ein Player. Und zum Schluss das Wichtigste: Alles sollte eine schnelle und funktionale Oberfläche haben.

Die Planung

Das Thema Sendeplanung kann hier ziemlich weit gefasst werden. Natürlich kann ich einerseits eine komplette Woche mit allen Moderatoren planen oder einfach nur meine eigene Sendung. Jedenfalls weiß ich, wie viel Zeit ich senden werde, und diese ist entsprechend zu organisieren.

Wie dem auch sei, brauche ich kompletten Zugriff auf mein Archiv. Plane ich meine eigene Sendung, suche ich Musik zusammen, plane die Moderationen und/oder vorgefertigte Beiträge ein. Diesen Plan speichere ich dann für die spätere Sendung ab und könnte ihn auch ausdrucken.

Es gibt aber auch Zeiten, zu denen keiner sendet. Soll ich dabei den sogenannten AutoDJ übernehmen, brauche ich Funktionen, um ein ausgewogenes Programm vom Computer zusammenstellen zu lassen. Das nennt sich dann Radioautomatisierung. Sinnvoll ist es zu definieren, wie oft ein Interpret, ein Album oder ein Lied in einer bestimmten Zeit wiederholt werden kann. Eine entsprechende Regel könnte lauten:

  • Der Interpret darf erst nach 4 Stunden wiederholt werden
  • Das Lied darf erst nach 8 Stunden wiederholt werden
  • Ein Lied eines Albums darf erst nach 12 Stunden wiederholt werden

Arbeitet der Moderator mit Promotion-Liedern, sollten diese auch in bestimmten Intervallen zu hören sein. Solche Algorithmen können komplex werden, deshalb könnte ich mir hier sogar eine Art Scriptsprache vorstellen.

Zum Schluss sollte es noch eine Funktion geben, um den Sendeplan auf verschiedene Arten zu veröffentlichen. Dazu zählt zum Beispiel Reports für Musikverwalter oder Sendenachweise.

Das Senden

Kommen wir nun zum wichtigen Teil der Software. Denn ohne die Möglichkeit unsere Sendung zu senden hat die Vorbereitung keinen Sinn. Dazu werden üblicherweise zwei Player benötigt. Während der eine Player das Lied zum senden spielt, wartet im anderen Player bereits das folgende und kann evtl. überlagert oder gemixt werden. Zwei AUX-Decks spielen entweder Sendebeiträge ab oder dienen dem Vorhören.

Eine Playlist zeigt mir die Titel, die als nächstes kommen. Diese kann ich mir entweder live zusammenstellen oder aus der Planung importieren. Eine weitere Liste zeigt mir die bereits gesendete Lieder und Beiträge an.

Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Streams zu verbinden. Derzeit sind die Streamingserver Shoutcast und Icecast weit verbreitet. Um auch dem Nutzer etwas sagen zu können muss natürlich auch ein Mikrofon anzusteuern gehen.

Ein letztes Plus wäre, wenn das Programm mit einer sogenannten DJ-Console zu steuern wäre. Aber ich denke mal ein normales Mischpult tut es auch.

Was noch?

Jetzt wird es technisch, denn nun komme ich schon fast zur Umsetzung.

Ich bin zwar ein Liebhaber von OpenSource, aber ich muss nicht unbedingt OpenSource-Software nutzen. Ist ein Programm gut, kaufe ich mir gerne eine Lizenz. Allerdings muss das Programm auch unter Linux laufen. Heutzutage ist es sowieso üblich, dass eine Software unter Linux, Mac OS und Windows läuft. Wird dazu noch OpenSource-Software eingesetzt, ist die Sache noch besser.

Als Datenbank würde ich etwas externes sehen, sodass der Nutzer selber entscheiden kann, welche Datenbank er nimmt. Damit kann die Radiosoftware eine bereits funktionierende Infrastruktur nutzen oder eine vorhandene kann auf die Daten zugreifen. Natürlich dann alles auf Risiko des Moderators. Aber ich gehe mal davon aus, dass er wissen wird was er macht wenn er es macht. Als Datenbanken wären MariaDB bzw. MySQL oder PostgreSQL eine gute Wahl. Als Scriptsprache für Automatisierung oder Reportings könnte ich mir ein abgespecktes PHP oder Python vorstellen. Außerdem gibt es einige OpenSource-Bibliotheken, die für das eigentliche Programm genutzt werden könnten.

Da unsere Sendung im Internet zu hören sein soll, wäre auch eine API sinnvoll. Über diese Schnittstelle können Daten über Musiktitel oder die Playlist abgerufen werden. Auch eine Request-API wäre denkbar, übe die sich Hörer einen Titel wünschen können. Hier ist allerdings zu beachten, dass alleine das Bereitstellen dieser Funktion mehr Geld bei der GEMA kostet.

Weiterhin sollte die Software mehrere Soundkarten unterstützen. Die eine Soundkarte ist zum hören des aktuellen Streams, die Andere zum Vorhören von Musik und Beiträgen. Somit kann der Modertor beispielsweise die Audiodatei an einer bestimmten Stelle starten und die Lautstärke im Vorhinein anpassen.

Zusammenfassung

Natürlich habe ich noch einige mehr Anforderungen. Das soll aber vorerst reichen. Wie ich schon sagte, nutzte ich für Archiv und Sendung zwei verschiedene Programme. Diese deckten viele Anforderungen ab, aber nicht alle. Mir fehlte unter anderem die Detaillierte Verwaltung meine Musik. Zuletzt ist natürlich die Frage, für wen diese Software sinnvoll wäre. Mir fallen sofort die Hobby-Modertoren, kleine bis mittlere Radiosender, Schul- und Uniradios oder Freie Radios ein. Letztendlich wird es aber am Lizenzmodell liegen, ob diese Software erfolgreich ist, oder eben nicht. Und da ich noch nicht eine bezahlbare Software gefunden habe, werde ich meine Musik weiterhin auf meine Art verwalten.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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