Zeit ist relativ – Wie der Modertorenwechsel funktioniert

Gehörst Du auch noch zu den Menschen, die Ihre Uhr nach dem Signalton der Nachrichten stellt? Dann solltest Du lieber die Uhrzeit von deinem Computer nehmen, denn die ist genauer. Denn selbst wenn im Radio zur vollen Stunde die Nachrichten kommen, heißt das nicht, dass sie auch bei dir pünktlich kommen.

In diesem Artikel erkläre ich euch, wie eine „Übergabe” vom derzeit sendenden zum nachfolgenden Moderator funktioniert.

Einmal nach meiner Sendung rief ich meine Mutti an. Diese war ganz überrascht. „Wieso rufst du mich an? Du sendest doch noch.”

Das Problem was hier aufgetreten ist nennt man in der Information Latenz. Im Webradio tritt eine Latenz vom senden des Streams bis zum Empfangen beim Hörer auf. Die Daten werden immerhin vom Sendestudio zu einem Streamingserver und weiter zu den einzelnen Hörern geschickt. Der Streamingserver verteilt also die Musik auf die einzelnen Hörer. Dies braucht natürlich seine Zeit. Hinzu kommt, dass die Mediaplayer der Hörer die Streams puffern. Außerdem gibt es noch unterschiedliche Übertragungsprotokolle, wie UKW, MW, DAB+, TCP/IP, UTP usw, die die Daten unterschiedlich schnell senden. Meiner Erfahrung nach kann es bis zu zwei Minuten unterschied kommen. Nun ist auch klar, warum beispielsweise die Nachrichten über das Webradio nie pünktlich kommen werden.

Mit diesem Wissen ausgestattet ist nun auch klar, dass bei einer Übergabe der nachfolgende Moderator nicht warten kann bis er auf dem Stream nichts mehr hört, um sich dann mit dem Streamingserver zu verbinden.

Dadurch ist bei einer Streamübergabe auch ein spezielles Ritual durchzuführen. Denn der Moderator kann ja nicht erst auf den Stream, wenn er nichts mehr hört. Er muss sofort drauf, nachdem der derzeit sendende Moderator runter ist. Sonst kann es sein, dass der Mediaplayer eine Zeit lang nichts hört, sich denkt, der Stream ist tot und die Verbindung beendet.

Nun aber zum Ritual. Es gibt zwei Möglichkeiten, „den Stream zu übergeben”. Entweder ruft der sendende Moderator den nachfolgenden Moderator an oder meldet sich per Messanger. Die erste Möglichkeit ist meiner Meinung nach besser. Wenn der Nachfolgende Moderator ein technisches Problem hat, kann der vorherige Moderator notfalls wieder auf den Stream. Außerdem kann man kurz miteinander quatschen. Egal ob Telefon oder Messanger, die Prozedur ist die Selbe: Der sendende Moderator zählt von x bis 0 runter (meist: „Fünf … vier … drei … zwei … eins … und weg”) und der nachfolgende Moderator verbindet sich mit dem Streamingserver („Bin drauf”). Der Zeitpunkt ist von Sender zu Sender unterschiedlich. Die einen übergeben den Stream am Ende eines Liedes, andere haben ein sogenanntes Übergabelied, welches zur selben Zeit gestartet wird. Irgendwann beendet der eine Moderator die Verbindung vom Streamingserver (geht runter) und der andere verbindet sich (geht drauf). Dadurch kann es zu einer kurzen Pause oder zu einem Lautstärkesprung kommen, wodurch die Hörer wissen: Der neue Moderator ist online. Deshalb mag ich an dieser Stelle die Übergabe per Liedende.

Nun wisst Ihr, warum die Latenz die Übergabe etwas umständlich macht und gleichzeitig für mehr Interaktion zwischen den Moderatoren sorgt.

Ihr macht eine Übergabe anders? Dann schreibt doch bitte als Kommentar, wie Ihr das macht.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.