Gedanken zum Erstellen eigener Beiträge

Aus aktuellem Anlass möchte ich mal etwas zum Thema Berichterstattung schreiben. Derzeit wird ja die „einseitige Berichterstattung der Medien“ bemängelt. Da stellt sich natürlich die Frage, welche Richtlinien gibt es überhaupt für Journalisten und Redaktionen? Müssen sie sich daran halten und was passiert, wenn sie es nicht machen? Denn nur wer sich mit diesen Richtlinien einmal beschäftigt hat, kann für sich urteilen, ob so ein Vorwurf richtig ist. Dies ist natürlich auch für Moderatoren wissenswert, die ihre eigenen Berichte erstellen möchten.

Im Grundgesetz ist die Meinungsfreiheit (Art. 5, Abs. 1) und die Pressefreiheit (Art.5, Abs 2) verankert,

um zu verhindern, dass die öffentliche Meinungsbildung und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Regierung und Gesetzgebung beeinträchtigt oder gar verboten wird.

Jeder darf also schreiben und sagen, was er möchte. Ich möchte mich Frank Nagel in seinem Beitrag anschließen, in dem er schreibt, jeder darf sagen was er möchte, aber es kommt auf den Inhalt an:

War es etwas Dummes oder Falsches? Oder war es berechtigt, erwähnt zu werden?

Ich würde es so ausdrücken: Du musst das Gesagte mit deinem Gewissen vereinbaren können. Hast Du schon einmal etwas bereuen müssen, was du gesagt hast? Das Problem ist, dass geschriebenes oder gesprochenes Wort nicht so schnell wieder verschwindet. Vor allem nicht in Zeiten des Internets. Löschst Du einen Text (oder den Link zu einem Text), kann er trotzdem gefunden werden. Moderierst Du im Radio, weißt du nicht, wer rein zufällig Deine Sendung aufzeichnet. Es muss ja nicht mit böser Absicht sein, aber was ist, wenn jemand Dich anschließend mit einer Äußerung in die sprichwörtliche Pfanne hauen möchte?

Aus diesem Grund solltest Du immer alles, was Du sagst oder schreibst, zuerst mit Deinem Gewissen vereinbaren können. Das heißt nicht, dass Du immer der Meinung der Anderen sein sollst. Du kannst Deine Meinung haben, aber diese muss auch begründet, richtig und vernünftig sein.

Du musst Dir aber auch im klaren sein, dass Leute Dir glauben, wenn Du etwas sagst. Du giltst als glaubhafte Quelle, wenn die Sache, von der Du berichtest, als glaubhaft zu betrachten ist.

Der Pressekodex

Kommen wir nun zu der Berufsgruppe, die in der Kritik steht: Die Journalisten.

Für Journalisten gibt es Regeln, die im sogenannten Pressekodex niedergeschrieben wurden. In diesem Papier wurden vom Deutschen Presserat „Publizistische Leitlinien“ festgehalten. Jeder Journalist hat im Prinzip seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen durchzuführen. Dazu gehört bspw. eine ordentliche Recherche, sowie vorurteilsfreie und unabhängige Berichterstattung. Auch ist darin verankert, dass bei einer fehlerhaften Berichterstattung dies richtig gestellt werden soll. Sollte eine Redaktion oder ein Verlag gegen diese Richtlinien verstoßen, kann dies vom Presserat gerügt werden.

Der Kodex umfasst 46 Seiten. Es lohnt sich, diese einmal durchzulesen. Ich finde diese Regeln auch für Blog-Beiträge und Moderationen sehr hilfreich. Und auch bei Diskussionen ist es manchmal sinnvoll, sich an die eine oder andere Ziffer der Richtlinie zu erinnern.

Einen Hacken hat der Kodex allerdings: Er ist nicht bindend. Journalisten können sich an ihn halten, müssen es aber nicht. Außerdem ist die Grenze zwischen eigener Meinung und neutralem Boden fließend. Hier mal ein ausgedachtes Beispiel:

Vor Gericht wird heute der grauenhafte Mord des brutalen Menschenschlächters verhandelt.

Das ein Mord grauenhaft ist, brauchen wir nicht zu bestreiten. Aber wenn jemand vor Gericht steht, ist er noch nicht schuldig. Ob dem so ist soll ja das Gericht feststellen und ein Urteil fällen. Wir haben uns allerdings schon so an solche Ausdrucksweisen gewöhnt, um hier nicht zu erkennen, das hier eine Wertung vorliegt. Außerdem stecken in dem Satz mehr Emotionen als in folgenden:

Vor Gericht wird heute der Fall des mutmaßlichen Mörders verhandelt.

Klingt doch schon viel neutraler. Aber warum wird nicht jeder Artikel so geschrieben, jeder Bericht im Radio und Fernsehen so neutral betrachtet? Tja, von irgendwas muss ja die Zeitung bzw. der Sender leben. Und das ist nun einmal Werbung. Je mehr Hörer, Zuschauer oder Leser ein Medium hat, um so mehr Geld kann verdient werden. Aus diesem Grund werden manche Artikel so geschrieben, wie sie geschrieben werden.

Zuletzt kommt es auch auf das Thema an. Ein Boulevard-Medium, welches von Klatsch und Tratsch lebt, wird nie einen neutralen Bericht veröffentlichen. Das möchte die Zielgruppe auch nicht hören oder lesen.

Zusammenfassung

Es gibt Journalisten im Internet, die Artikel für den Leser veröffentlichen möchten und nicht auf Schlagzeilen aus sind. Sie finanzieren sich mit Hilfe eines Online-Abos. Auch hier geht es selbstverständlich um die Anzahl der Leser, aber das Medium finanziert sich mit über Abonnements. Auf dieser Webseite gibt es keine Werbung und die Artikel können nur gelesen werden, wenn dafür bezahlt wurde. Dafür erhält der Leser das Versprechen, gut recherchierte Artikel zu bekommen.

Wie hilft Dir dieses Wissen nun weiter? Wie ich anfangs schrieb, sollte sich jeder zunächst darüber Gedanken machen, was er veröffentlichen möchte. Eine ordentliche Recherche ist das A und O! Als nächstes muss natürlich überlegt werden, wie der Bericht aussehen soll. Denke dabei an deine Zielgruppe. Zuletzt musst Du natürlich auch beachten, ob Du auf viele Hörer angewiesen bist.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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