Eigene Themen für Deine Sendung – Texten für Hörer

In meinem ersten Beitag der Miniserie „Eigene Themen für Deine Sendung“ ging es darum, wie Du Ideen für einen eigenen Bericht entwickelst, dafür recherchierst und Dein Material archivierst. Heute möchte ich Dir erklären, wie Du Deine Recherchen in Worte fasst und diese so aufschreibst, dass Du sie auch lesen kannst. Denn zwischen Vorlesen und frei sprechen ist ein großer Unterschied.

Schreiben gehört zum sprechen

Der Unterschied zwischen einer Moderation und einem Beitrag ist, dass Du eine Moderation aus dem Stehgreif hinbekommst. Erstellst Du hingegen einen Beitrag, solltest Du diesen vorher aufzeichnen. Somit kannst Du Fehler vor dem Senden beheben. Doch bevor Du Dich vor das Mikrofon setzt und bei Deinem Aufnahmeprogramm den roten Knopf drückst, solltest Du Dir Gedanken über den Text machen. Im Gegensatz zu Präsentationen muss bei einem Radiobericht der Text im vorhinein ausformuliert sein. Ihn wirst Du folglich vorlesen. Ist er gut Vorbereitet, wird dies kaum auffallen.

Wie sollte der Text geschrieben werden?

Wie hörst Du Radio? Radio ist ein Medium, was im Hintergrund läuft. Kaum ein Mensch hört aktiv zu, deshalb möchtest Du mit Deinem Beitrag auch zu den Hörern durchdringen. Dabei solltest Du folgende Punkte beachten:

  • Beiträge sollen dem Hörer erzählt werden. Nutze deshalb eine einfache Sprache, die aber keine Umgangssprache ist. Wortwiederholungen sind hier durchaus erwünscht.
  • Hörer haben keine Möglichkeit, den gehörten Text wie bei einem Buch oder einer Zeitung zurückzublättern. Er muss gleich verständlich sein.
  • Der Hörer wird bei unbekannten Wörtern nicht nachschauen, was diese bedeuten. Spare mit Fremdwörtern und Synonymen oder erkläre diese.

Die Formatierung des Textes

Da Du Deinen Text selber lesen musst, sollte er auch leserlich geschrieben sein. Was meine ich damit?

Der Text sollte auf alle Fälle mit dem Computer geschrieben sein. Wir arbeiten heutzutage so viel mit dem Computer, dass leider kaum jemand noch eine gut lesbare Schreibschrift hat. Ich inbegriffen. Wenn ich jetzt also einen Bericht mit der Hand schreiben würde, hätte ich garantiert an einigen Stellen Probleme, diesen zu lesen. Ich komme ins Stocken und es gibt wieder eine Stelle mehr, die in der Nachbereitung korrigiert werden muss. Deshalb solltest Du ein Textprogramm nutzen. Nebenbei erwähnt lässt sich natürlich ein Text in einem Textprogramm einfacher bearbeiten.

Als nächstes solltest Du auf die Formatierung achten. Standardmäßig sind die meisten Textverarbeitungen auf Arial 10pt und ohne Abstand zwischen den Zeilen eingestellt. Das lässt sich nicht besonders gut (vor)lesen. Ich habe mir angewöhnt, meine Texte auf einer Normseite zu schreiben.

Die Normseite kommt noch aus der guten alten Schreibmaschinenzeit und hat folgende Regeln:

  • Ein Blatt hat 30 Zeilen
  • Eine Zeile hat 60 Anschläge
  • Die Schriftgröße beträgt 12 Punkte
  • Der Zeilenabstand beträgt das 1,5-Fache

Damit bekommen wir 1800 Anschläge pro Blatt. Ich habe mir dafür eine Vorlage erstellt. Diese enthält zusätzlich Name und Adresse im Kopf sowie eine Blattnummerierung nach dem Schema „Seitennummer-Seitenanzahl“. Damit weiß ich, wie viele Blätter zu diesem Bericht gehören. Für mich gibt es nun folgende Vorteile:

  • Ich habe ein Dokument, welches genormt ist.
  • Ich kann den Text gut lesen.
  • Ich kann die Lesegeschwindigkeit abschätzen. Pro Seite brauche ich etwa 45±10 Sekunden. Damit weiß ich, dass ich bei drei Blättern etwa 3 Minuten brauche.
  • Jeder weiß, von wem der Bericht ist und wie viele Blätter er umfasst.

Leider sind auf jedem Computer unterschiedliche Schriften und Textverarbeitungen vorhanden. Als Schriftart empfehle ich Courier oder jede andere gut lesbare Proportional-Schrift. Das Einrichten meiner Vorlage hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert.

Von den Fakten zum Bericht

Du hast nun fleißig recherchiert und möchtest daraus einen Bericht machen. Zunächst solltest Du Dir einen „Fahrplan“ zurechtlegen: In welcher Reihenfolge sollen die Daten präsentiert werden? Was ist die logische Abfolge? Hast Du O-Töne, die Du unterbringen möchtest?

Lege Dir alle Materialien zurecht, die Du nutzen möchtest (und lege alle zur Seite, die Du nicht brauchst). Dann sortierst Du die Materialien in der Reihenfolge, wie Du diese präsentieren möchtest. Mache Dir schon erste Notizen, worauf es bei deinem Bericht besonders ankommt.

Jetzt geht das Schreiben los. Dein Bericht sollte folgende Reihenfolge haben:

  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss

Dein Hörer muss wissen, worum es geht. Deshalb gibt es bei vielen Radiostationen bspw. bei den Nachrichten einen sehr sehr langen ersten Satz. In diesem werden fast schon alle Fakten genannt: Wer, wann, wo, was, warum. Danach kommt nur noch Erklärung.

Der Grund liegt in der allgemeinen Aufmerksamkeit der Hörer. Diese ist anfangs hoch und nimmt immer mehr ab. Deshalb sollten auch Deine Berichte so gegliedert werden: Das Wichtigste an den Anfang. Ein zweiter Vorteil: Ist dein Bericht zu lang, wird dieser von hinten gekürzt, da dort das Unwichtigste steht. In diesem Fall musst Du nichts in deinem Hauptteil umformulieren.

Schreiben und laut lesen

Während des Schreibens musst Du noch etwas ganz wichtiges machen: Laut vorlesen. Egal ob Du oder jemand anderes den Text später vorlesen soll, er muss lesbar sein. Um dies sicher zu stellen, solltest Du jeden Satz laut lesen und entsprechend betonen. Mache Dir eventuell auch Markierungen, wie etwas gelesen werden soll oder worauf es ankommt. Eine andere Schriftfarbe, fett oder kursiv hilft Dir schon. Wörter, die nicht zusammen passen weil diese eher an Zungenbrecher erinnern, entfernen und den Text umformulieren. Lange Sätze sollten vermieten werden, weil sonst dem Vorleser irgendwann die Luft fehlt. Bei zu kurzen könnte hingegen schnell er Eindruck einer Schnappatmung entstehen.

Irgendwann wirst Du einen Bericht haben, den Du von oben bis unten vorlesen kannst, ohne das etwas holprig klingt.

Von den Besten lernen

Auch beim Schreiben gilt: „Übung macht den Meister“. Je mehr Berichte Du schreibst, um so professioneller werden diese. Höre Dir auch welche von anderen Radiostationen an. Viele findest Du als Podcast auf den entsprechenden Webseiten. Höre diese bewusst an und analysiere diese nach Text, Zusammenstellung und Umsetzung. Was hättest Du genauso gemacht? Was Gefiel Dir gut, was nicht? Wie würdest Du es besser machen?

Wenn Du Dich noch intensiver mit dem Thema „Berichte erstellen“ befassen möchtest, dann erstelle aus einem vorhandenen Bericht Deine eigene Version. Du solltest dann allerdings darauf achten, dass es nicht zu Urheberrechtsverletzungen kommt.

Zusammenfassung

Das klingt zunächst nach viel Arbeit, aber ich kann Dir garantieren, dass Du immer schneller werden wirst, je öfter Du einen Bericht vorbereitest. Du lernst aus Deinen Erfahrungen und weißt später, worauf es ankommt. Außerdem wächst Dein Archiv stätig, wodurch Deine Recherchen immer schneller gehen.

Der Aufwand lohnt sich, wenn Du in Deinem Radio etwas besonderes anbieten möchtest. In einem guten Radio könnt Ihr Euch auch die Arbeit teilen: Einige Personen recherchieren, andere Personen sprechen die Beiträge ein oder schneiden diese. Zu letzterem Thema werde ich demnächst einen weiteren Beitrag schreiben.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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