Von Titeln Rollen und Dienstgraden beim Webradio

Ich schaue mir gerne bei Webradios die Teamlisten an. Nicht nur, weil ich gerne wissen möchte, wer dort sendet, sondern auch, welche Aufgaben derjenige hat. Es ist immer wieder interessant, was man dort so findet.

Sag mir deinen Titel, und ich sage dir, was du machst

Webradio ist auch eine Image-Sache. Jeder möchte seine Aufgabe haben und mit dieser hervortreten. Nicht umsonst staune ich mitunter, wie viele Titel bzw. Aufgabenbereiche es im Webradio gibt. Neben den typischen Radioinhaber und Sendeleitung gibt es noch Moderatoren, Gastmoderatoren, Moderatoren auf Probe, Techniker, Chatbetreuer, Webmaster, Redakteure und was weiß ich alles. Jeder möchte seinen Titel haben.

Warum brauche ich einen Titel?

Kaum zu glauben, aber es gibt wirklich Leute, denen so ein Titel wichtig ist. Ich war einmal stellvertretender Sendeleiter. Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute nicht, was meine eigentlichen Aufgaben waren, die sich hinter diesem Titel verbargen. Aber es gab einige Teammitglieder, die deswegen neidisch waren.

So ein Titel spiegelt eine Rolle oder eine Aufgabe wieder. „Ich bin Chatbetreuer“ sagt sich so einfach. Aber was sind die Pflichten? Was nützt ein Chatbetreuer, wenn dieser nicht weiß wie ein Chat technisch zu pflegen ist oder keine Rechte hat, um einen Störenfried zu kicken? Oder was nützt ein Techniker, der nie da ist wenn der Moderator ein Problem mit dem Stream hat? Hauptsache die Seele ist beruhigt. Und am besten ist es, wenn jemand mehrere Titel hat. Dann ist er ganz wichtig! Aus diesem Grund spreche ich auch von Dienstgraden. Je höher der Titel eingeschätzt wird, um so mehr glaubt derjenige, etwas sagen zu können.

Wie erhalte ich einen Titel?

Einen Titel bekommt man auf unterschiedliche Art. Ich habe damals meinen Stellvertreter aufgedrückt bekommen, weil ich im Team die meiste Erfahrung beim Webradio hatte. „Jetzt darfst du auch die Homepage gestalten“ war eine Aussage. Schwubs war ich Superadmin. Blöd nur, dass ich mir daraus nichts machte. Ich konnte mir, wenn ich gewollt hätte, jeden Tag eine Homepage einrichten. Aber für manchen Radioinhaber ist es eine Zeremonie, jemanden die Rolle als Superadmin zu geben.

Eine weitere Möglichkeit an einen Titel zu kommen ist Pragmatismus. Wenn jemand jeden Tag im Chat anzutreffen ist könnte es sein, dass er irgendwann gefragt wird, die Chatbetreuung zu übernehmen. Das ist vernünftig.

Eine letzte Möglichkeit: Fragen. Wenn du dich für eine Aufgabe berufen fühlst, fragst du einfach den Radioinhaber, ob er dir diese Aufgabe zutraut. Das zeigt Selbst- und Verantwortungsbewusstsein.

Was bringt mir ein Titel?

Das ist die große Preisfrage. Persönlich fühlst du dich für eine Aufgabe verantwortlich. Du hast etwas geschafft. Blöd nur, wenn acht von zehn Leuten ebenfalls stellvertretender Sendeleiter und die restlichen beiden Leutchen der Radioinhaber und der Techniker sind. Auf Arbeit verdient man mit seinem Posten (hoffentlich) Respekt und Anerkennung und führt seine Aufgabe gewissenhaft aus. Diese wird auch entlohnt. Beim Webradio bringt dir das Neid, Stress und vielleicht schlaflose Nächte ein.

Was lerne ich daraus?

Fassen wir mal zusammen: Im Webradio gibt es viele Titel, die nichts bringen. Sinnvoll ist so ein Titel nur, wenn er eine Rolle wiederspiegelt, die auch die Kompetenzen beschreiben. Ein Radioinhaber ist der Chef, ein Moderator ist ein Moderator. Und da ist es egal ob er sieben oder zwei Mal die Woche sendet. Vielleicht gibt es noch jemanden der sich mit der Technik auskennt, das ist dann ein Techniker.

Probleme bereiten Teammitglieder, wenn diese nur auf Titel erpicht sind. Hier sollte der Radioinhaber klar sagen, was eigentlich selbstverständlich ist: Ein Radio ist ein Hobby und keine Firma. Es gibt im Idealfall nur zwei Hierarchien: Der Radioinhaber hat das letzte Wort und die Anderen sind freie Mitarbeiter. Deshalb sollten auch keine Sondertitel eingeführt werden, nur damit sich jemand nicht beleidigt fühlt.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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