Das Problem bei der Recherche per E-Mail

Wenn Ihr eine E-Mail schreibt, was erwartet Ihr? Einerseits, dass der Empfänger die E-Mail liest, und andererseits eine Antwort. Wozu schreibt man sonst eine? Das Problem ist, dass viele Menschen der Meinung sind, nicht antworten zu müssen. Mir ging es schon einige Mal so. Auch bei der Recherche zu einem Artikel habe ich Webradios angeschrieben … und keine Antwort erhalten. Damit habe ich zwar keine Grundlage für den eigentlichen Artikel, aber schon wieder Stoff für einen neuen: Der gute Ton in der digitalen Kommunikation.

Ich muss doch nicht antworten

Stellt euch vor, Ihr bekommt eine E-Mail mit einer Anfrage, Fragen zu einem bestimmten Thema zu beantworten. Oder einfacher ausgedrückt: Es recherchiert jemand für einen Artikel und möchte eure Meinung dazu wissen. Was macht Ihr?

Ich in meinem naiven Leichtsinn würde auf diese E-Mail antworten. Was ich schreibe, hängt natürlich vom Thema ab. Aber es gibt leider immer noch Leute die glauben, E-Mails ignorieren zu müssen. Warum? Keine Zeit? Kein Interesse? Was interessiert mich, ob der Knabe seinen Artikel recherchieren kann? Der muss das doch nicht. Ich habe besseres zu tun. Soll er doch anrufen. Oder im Chat vorbeischauen. Entf, weg ist die Nachricht.

Erfüllung eines Klischees

Das Problem ist, dass dies typisch für Webradios ist. Meiner Erfahrung nach igeln sich viele Radios ein. Warum ist das so? Schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen? Vermutlich. Denn prinzipiell möchte jeder Außenstehende nur eines: Webradios kaputt machen. Denn wenn das kaputt ist, gehen die Hörer – bekanntlich die Währung der Webradios – zu einem anderen Sender. Also beantworten wir nicht einmal eine einfache E-Mail von einem privaten Blogger.

Habe ich als Recherchierender vorher etwas anderes erwartet? Leider ja. Ich kenne die Ängste der Radioinhaber und weiß, dass sie durchaus begründet sind. Doch ich rechne nicht damit, das diese sich schon von einer Recherche bedroht fühlen würden.

Wer hat den Schaden?

Betrachte ich die Sache nüchtern, habe ich einen Schaden. Meine Recherchen kann ich nicht mit Fakten untermauern. Doch auch das Webradio hat Schaden:

  1. Ich biete den Webradios an, sich auf meinem Blog vorzustellen. Wer mir nicht antwortet, bekommt also keine kostenlose Werbung.
  2. Der Inhaber des Webradios bestätigt ein Klischee, welches ich eigentlich mit Beiträgen in diesem Blog abbauen möchte.

Was würde ich mir wünschen?

Ich erwarte nicht, das ich immer positive Antworten bekomme. Wenn mir jemand schreibt, er hat keine Lust für meine Recherchen zur Verfügung zu stehen, dann akzeptiere ich das. Wenigstens ist es eine Antwort. Prinzipiell freue ich mich über jede positive Antwort.

Wie geht es weiter?

Es ist ja nicht so, dass ich nicht an Webradios rankommen würde. Es ist nur komplizierter, als eine E-Mail zu schreiben. Zunächst muss ich mich im Chat anmelden. Blöd nur, dass jedes Radio einen eigenen hat. Mitunter nutzen die Teamspeak oder andere komische Software. Außerdem kostet mich das Rumsitzen im Chat mehr Zeit als eine einfache E-Mail zu tippen. Diese kann ich schreiben, wenn ich Zeit habe. Im Chat muss ich warten, bis der Radio-„Cheffe“ online ist.

Weiterhin könnte ich anrufen. Das hätte wieder den Vorteil, dass ich das Interview aufzeichnen und einen Radiobeitrag produzieren könnte. Allerdings kostet mich das noch mehr Zeit. Und wiederum müssten wir beide, der Befragte und ich, Zeit haben.

Mein Fazit

Unsere Bundeskanzlerin schien wirklich recht zu haben, als sie am 19. Juni 2013 feststellte:

Das Internet ist für uns alle Neuland.

Das gilt scheinbar auch für Kommunikationsmittel wie E-Mail. Die Erste wurde ja erst 1971 von Ray Tomlinson verschickt. Es wird also noch eine Weile dauern, bis wir uns an dieses Medium gewöhnt haben.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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