Was ist ein Team und brauch ich das im Webradio?

Was ist das Erste, was Dir in einem Webradio begegnet? Zusammenhalt, Familie, Zugehörigkeit. Irgendwie gehört jeder zur Familie. Moderatoren gehören in ein Team, stehen zusammen und gestalten die Sendungen. Aber was verbirgt sich hinter dem Wort „Team“? Und brauche ich ein Team in einem Webradio?

Was ist ein Team?

Schaust Du Dir heutige Stellenausschreibungen an, wird Dir immer wieder die Formulierung „Du arbeitest im Team“, „Teamarbeit“ oder ähnliches über den Weg laufen. Was verbirgt sich dahinter?

Zunächst: Du bist in der Lage, mit anderen zusammen zu arbeiten. Ein großer Irrtum ist, dass damit schon ein Team definiert ist. Dem ist allerdings nicht so, wenn man sich genauer mit dem Begriff beschäftigt. Hinter dem Wort verbergen sich unter anderem folgende Eigenschaften:

  • Ein Team ist eine Gruppe, die zur Erfüllung bestimmter Aufgaben demokratisch zusammenarbeitet
  • Kennzeichen sind partnerschaftliches Verhalten, gegenseitige Achtung der fachlichen Qualifikationen und persönlichen Integrität, gleichberechtigte Mitbestimmung bei Methoden, Inhalten und Zielen der Aufgaben und deren Durchführung

Wer sich mit Webradios genauer auskennt weiß, dass es vor allem bei den Punkten „partnerschaftliches Verhalten“ und „gleichberechtigte Mitbestimmung“ sehr oft zu Problemen kommt. Gründe habe ich bereits im Artikel Von Titeln, Rollen und Dienstgraden beim Webradio beschrieben.

Schauen wir uns noch schnell einige Merkmale eines Teams an:

  • Ein Team ist eine Gruppe von nicht weniger als zwei und nicht mehr als neun oder zehn Mitgliedern
  • Ein Team arbeitet eine gewisse Zeit zusammen, die tendenziell unbeschränkt sein kann
  • Ein Team hat einen gemeinsamen Arbeitsauftrag und dementsprechend gemeinsame Ziele
  • Es gibt eine Aufgaben- und Rollenverteilung
  • Die Mitglieder arbeiten eng zusammen
  • Es findet eine regelmäßige und systematische Kommunikation statt

Alles beginnt mit einer Ansammlung von Personen

Du hast ein Webradio und bist der Meinung, Du hast ein Team? Dann beantworte bitte für Dich folgende Fragen:

  1. Wie lange existiert Dein Webradio bereits?
  2. Wie oft gab es in letzter Zeit streit?
  3. Wie viel Nerven hast Du bei den Streitereien gelassen?
  4. Wie hoch ist deine Moderatorenfluktuation?

Wenn irgendeine Antwort nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, dann hast Du kein Team. Ein Team muss über die Zeit wachsen. Beginnen wird jeder mit einer Ansammlung von Personen. Diese muss sich zu einer Gruppe zusammenschließen. Erst dann entwickelt sich diese Gruppe zu einem Team. Während dieser Zeit durchläuft Deine Gruppe einige Phasen:

  1. Orientierungsphase
    Die Gruppe findet sich zusammen und definiert ein Ziel. In diesem Beispiel steht der erfolgreiche Aufbau eines Webradios im Vordergrund. Jeder bringt eigene Ideen und Fähigkeiten mit. Es wird der eigene Platz im System gesucht.
  2. Konfrontations- und Konfliktphase
    Es kommt immer wieder zu unterschiedlichen Meinungen. Hier ist es besonders wichtig, zuzuhören und aufmerksam zu beobachten. Dies ist der Punkt, an dem viele Webradio-Projekte scheitern. Es fehlt einfach die soziale Kompetenz für den nächsten Schritt.
  3. Konsens- und Kompromissphase
    Es wird akzeptiert, dass es unterschiedliche Charaktere, Rollen, Aufgaben und Fähigkeiten gibt. Nicht jeder kann der Super-Admin sein, was auch keinen Sinn macht. Es werden Kompromisse gefunden und Probleme im Konsens geklärt.
  4. Leistungsphase
    Die Gruppe hat sich gefunden und arbeitet als Team zusammen. Das Projekt wird erfolgreich durchgeführt.

Diese Phasen können unterschiedlich lang sein. Sie werden sich auch wiederholen. Hier kommt es vor allem auf die Geschicke des Teamleiters, meist des Radioinhabers, an, wie die Probleme gelöst werden. Bei meinem Recherchen zum Artikel über UnserDiscofoxRadio erklärte mir der Inhaber Hajo: „Es kann auch mal sein, dass es Streitereien innerhalb des Teams gibt. Diese versuchen wir mit einer Sitzung im Teamspeak oder aber persönlich am Telefon zu klären. Sollte es keine Lösung geben, werden diese Störenfriede erstmal des Sendens verwiesen.“

 

 

Selten wirst Du die Nerven haben, die Probleme über längere Zeit zu beheben. Dafür hast du einfach zu viele andere Sorgen wie Arbeit, Familie und Freizeit. Aus diesem Grund hat sich im Webradio eingebürgert: Probleme werden schnell behoben oder der Störenfried wird rausgeworfen. Was im Beruf selten einfach ist, muss allerdings erfahrungsgemäß im Webradio rigoros umgesetzt werden. Dazu in einem späteren Artikel mehr.

Brauche ich nun ein Team?

Ich könnte noch einiges über Teambildung schreiben, kommen wir aber zur zentralen Frage in diesem Artikel: Brauche ich ein Team beim Webradio?

Ein Team brauchst Du auf alle Fälle, um erfolgreich ein Webradio aufzubauen. Aber Anfangen wirst Du mit einer Gruppe. Das ist allerdings auch nicht verkehrt. Zunächst brauchst Du Leute, auf die Du Dich verlassen kannst. Dazu zählen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Respekt. Du wirst mit einem Moderator gut zusammenarbeiten können, der einmal die Woche seine Sendung macht und dies immer pünktlich, sonst aber nie im Chat auftaucht. Was nützt Dir ein Moderator, der ständig im Chat rumhängt und aus langer Weile anfängt, schlecht über andere Personen zu reden? Mit Ersterem wirst Du selten Stress haben, mit Zweiterem garantiert. Hast Du mehrere dieser Leute, wird irgendwann daraus ein Team werden.

Fazit

Ein Webradio aufzubauen ist schwer. Aus diesem Grund solltest Du Dich nicht unter Druck setzen, indem Du alle Deine Mitstreiter sofort als Team ansiehst. Es sind zunächst eine Ansammlung von Personen, die erfolgreich in einer Gruppe zusammenarbeiten sollen. Es ist wichtig, sich von Personen zu trennen, die eindeutig nicht an Konsens und Konfliktlösungen arbeiten wollen. Du solltest allerdings den richtigen Zeitpunkt dafür finden.

Was sind Deine Erfahrungen? Würdest Du deine Mitstreiter als Team bezeichnen? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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