Automatisiertes Erstellen von Beiträgen

Der Beruf des Journalisten hat sich in den letzten Jahren geändert. Und er wird sich weiter ändern. Der Grund sind die Mengen von Informationen, die in immer kürzerer Zeit verarbeitet werden müssen. Während die einen Journalisten auf die Bremse drücken und sich wieder mehr Zeit zum recherchieren und schreiben lassen, überlegen andere, wie das Erstellen von Beiträgen beschleunigt werden kann.

Zeitfresser

Um Zeit beim Erstellen eines Artikels zu sparen, muss man natürlich wissen, was überhaupt Zeit in Anspruch nimmt. Dazu zählen Recherche und Schreiben. Böse Zungen behaupten, heutzutage wird das Recherchieren weggelassen und dafür nur noch geschrieben. So weit gehen wir nicht. Recherchieren ist wichtig. Die Frage ist, ob ein Journalist mehr Zeit für die Recherche hat, wenn er nicht mehr schreiben muss.

Zusammentragen

Die Überlegung geht dahin, dass ein Journalist den Computer nur noch mit Daten füttert. Vor allem bei Großereignissen ist das eine interessante Idee. Nehmen wir mal ein Gipfeltreffen an. Politiker sind ständig am Beraten. Journalisten füttern die Redaktionscomputer mit Informationen zu Themen wie Umwelt, Verkehr, Einwanderung und den Entscheidungen der Politiker.

Noch einfacher wird das Ganze bei Sportveranstaltungen. Hier erleichtern Sensoren die Dateneingabe. Ein Sensor kann messen, ob ein Ball ins Tor oder durch den Korb gefallen ist. Weitere Sensoren können die gelaufenen Kilometer und die Geschwindigkeit der Spieler erfassen. Diese Daten können dann zur Auswertung genutzt werden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mannschaft gewinnt? Wie agil war diese und war das Tor sogar ein Glückstor?

Auswerten

Nun kommt der Computer ins Spiel. Mit den ganzen Daten kann dann ein Artikel erstellt werden. Gehen wir zurück zum Gipfeltreffen. Die Politiker haben eine Entscheidung zur Umwelt getroffen. Der Computer kann anhand seines Archives alle relevanten Daten herausziehen und daraus einen Artikel generieren. Warum wurde diese Entscheidung getroffen, welches Problem soll gelöst werden, wie lange existiert es bereits?

Beim Sport könnten die ganzen statistischen Daten erwähnt werden. Wie lange war der Ballbesitz, wie hoch wahr die Wahrscheinlichkeit des Gewinns, wie standen die Wetten und wie viel haben die Buchmacher gewonnen? Welcher Spieler war besonders stark und hat die Chance, demnächst bei einer Weltmeisterschaft mitzuspielen?

Qualität

Die Frage ist, wie hoch die Qualität der vom Computer generierten Texte ist. Es gibt bereits Bestrebungen, Texte automatisiert zu generieren. Vor allem in Amerika. Dort sollen inzwischen viele Texte nicht mehr von vom Menschen getippten Versionen zu unterscheiden sein.

Einem Computer kann auch beigebracht werden, für welches Publikum ein Text zu erstellen ist. Soll er im Internet erscheinen, wird dieser für Suchmaschinen optimiert. Soll ein Artikel für die Regenbogenpresse entstehen, enthält der natürlich eine einfache Sprache. Für Professoren hingegen kann diesen kein Mensch ohne Jurastudium verstehen.

(Ich hoffe, Ihr merkt, das der vorherige Abschnitt leicht ironisch gemeint war ;-).)

Der Vorteil dieser Methode ist, dass ein Computer schneller arbeitet als ein Mensch. Und ja, er kann auch genauer arbeiten. Denn wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Computer ein Wort falsch schreibt? Das passiert nur, wenn der Computer dieses bereits falsch beigebracht bekommen hat.

Zukunft oder Realität?

Vieles, was ich hier beschreibe, kann bereits heutzutage umgesetzt werden. Es gibt bereits diese persönlichen Fitnesskontrollergeräte, die auch im Sport zur Auswertung genutzt werden könnten. Daten werden auch jetzt schon massenhaft in der „Cloud“ gespeichert und analysiert – Stichwort „Big Data“. Auch das Auswerten funktioniert inzwischen recht gut. Siehe hierzu jede beliebige Suchmaschine.

Das einzige Problem was ich noch sehe, ist das Erstellen von lesbaren Texten. Vor allem Ausdruck und Grammatik traue ich einem bewusst schreibenden Menschen eher zu als einem Computer. Wobei ja auch hier schon kleine Helferlein in den Textverarbeitungen existieren, die auf einen fehlerhaften Ausdruck aufmerksam machen.

Vor- oder Nachteil?

Wie jeder Fortschritt hat alles seine Vor- und Nachteile. Jedes System wird immer Komplexer. Dafür werden auch weniger Menschen gebraucht, um eine Aufgabe zu erfüllen. Die Frage ist, ob es zukünftig weniger Journalisten geben wird oder ob diese mehr zu tun haben werden. Wird sich die Aufgabe von der Recherche, Analyse und Schreiben hin zur reinen Recherche entwickeln?

Ich kann und möchte diese Frage nicht beantworten. Fakt ist jedenfalls, das durch die steigende Komplexität vor allem kleine Verlage Probleme haben werden, ihre Dienstleistungen anzubieten. Wie bereits bei Suchmaschinen oder Online-Kaufhäusern wird es hier „Big Player“ geben. Chancen haben nur diejenigen, die sich spezialisieren und die Chance haben, damit an den großen Vorbei zu kommen.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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