Das Ende der Webradios?

In meinem Interview mit Hajo über seine Webradio-Vorstellung erklärte er mir, dass ständig neue Webradios entstehen würden. Ich kann diesen Trend nicht nachverfolgen und möchte euch erklären, warum.

Früher war alles anders

Als ich meiner ersten Erfahrungen mit Webradios gesammelt habe, kam gerade der Popschlager auf. Ich würde sogar behaupten, ohne Webradio wäre er nicht so erfolgreich gewesen. Oft hörte ich Lieder erst Jahre später in den öffentlich-rechtlichen bzw. privaten Radiostationen, die ich schon lange kannte.

Damals war Popschlager etwas neues. Schnell fanden sich Leute zusammen, die gerne Schlager hörten. Discofox war der Tanz des Jahres. Mitunter waren mehr als 15 Chatter anwesend und der Stream brachte 75 bis 100 Hörer auf die Waage. Mitunter noch mehr.

Wo so viel Leute sind, gibt es auch Streit. Mitunter hatte ein Webradio so viele Moderatoren, dass kaum noch Sendeplatz frei war. Schnell kam es aus den verschiedensten Gründen zu Meinungsverschiedenheiten. Schnell spalteten sich einige Moderatoren und Hörer ab und gründeten neue Webradios.

Heute

Die Zeit des Popschlagers ist vorbei. Kaum ein Betreiber von Webradios hat sich getraut, eine andere Musikrichtung einzuschlagen. Inzwischen sind auch viele Radioinhaber dahinter gekommen, das so ein Radio ein teures Hobby ist. Außerdem sind viele durch die ständigen Streitereien einfach nur ausgelaugt, lustlos, ideenlos. Es gibt einfach wenig neue Radios.

Gründe

Die Gründe alleine an Streitereien festzumachen wäre etwas kurzsichtig. Es ist schlicht und einfach auch der Reiz des neuen Vergangen. Außerdem gibt es inzwischen Streaming-Dienste, die meine Lieblingsmusik zu dem Zeitpunk senden, zu dem ich das möchte. Warum soll ich mir also noch das Gequacke eines Moderators anhören?

Weiterhin ist es einfacher, seine Internet-Freunde über eine Social-Media-Plattform zu treffen als in einem Online-Radio-Chat. So eine Plattform bietet viel mehr Möglichkeiten. Klar, es kann vieles auch über die Webradio-Homepage angeboten werden, doch der Radioinhaber muss dafür einiges an Know-How mitbringen. Zuletzt müssen die Hörer dazu überredet werden, diese Dienste auch anzunehmen.

Quintessenz

Es gibt sie noch, die wackeren Webradios. Allerdings sind es nicht mehr so viele wie noch vor einigen Jahren. Meistens werden diese Radios durch Spenden der Moderatoren oder durch Werbung finanziert. Doch der Boom ist eindeutig vorbei. Wird er jemals wiederkommen? Ich glaube nicht. Bleibt noch die Frage: Haben sich die Webradios letztendlich selbst kaputt gemacht? Definitiv.

Zugegeben, schlecht ist ja die Ideen eines Webradios nicht. Schauen wir mal über den großen Teich. Dort gibt es einige Stationen, die sich Musikalisch spezialisiert haben. Mitunter senden diese live von irgendwelchen Volksfesten. Auch bringen diese lokale Informationen schnell an den Menschen. Was vor Jahren noch über UKW verbreitet wurde, kann inzwischen über das Internet in die ganze Welt gestreamt werden. Jedenfalls braucht eine Sendetechnik für Webradios weniger Aufwand als bspw. ein Video-Livestream.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

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