Wie Du Dein eigenes Webradio gründest

Dich juckt es in den Fingern, ein eigenes Webradio aufzubauen? Du möchtest Deine eigenen Hörer mit Musik versorgen? In diesem Artikel erkläre ich Dir die ersten Schritte zur Erfüllung Deines Traumes.

Das Abenteuer beginnt

Bevor es so richtig losgeht, eine Anmerkung zur Reihenfolge: Diese ist rein willkürlich gewählt. Dieser Artikel soll keine Schritt-für-Schritt-Anleitung sein, sondern einfach nur eine Hilfestellung, was alles zu beachten ist. Ich übernehme auch keine Verantwortung, dass alles, was ich schreibe, Rechtssicher ist. Ich bin Blogger, kein Rechtsanwalt ;-).

Ein Webradio kostet. Bevor Du also irgendwelche Aktionen durchführst, solltest Du vorher eine Kostenaufstellung machen.

Damit sind wir auch schon beim nächsten wichtigen Thema: Der Planung. Es gibt Webradios, die von Heute auf Morgen entstanden, aber auch so schnell wieder verschwunden sind. Du solltest Dir also einige Stunden Zeit nehmen und mit Papier und Bleistift (bzw. je nach Belieben mit der digitalen Variante) einen groben Plan erstellen. Zum Thema Zeitmanagement empfehle ich Dir den Artikel Der Fluch mit der Zeit.

Sendesoftware

Fangen wir mit der Sendesoftware an. Um Deine Musik an den Hörer zu bringen, brauchst Du eine spezielle Software. Die technischen Hintergründe habe ich im Artikel Wie kommt die Musik zu Dir nach Hause erklärt. Prinzipiell hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Dein Musikabspielprogramm bietet bereits die Möglichkeit die Musik zu streamen, oder Du musst eine extra Software dafür einsetzen. Diese Software hängt sich an die Soundkarte und streamt alles was sie empfängt ins Internet. Somit ist egal, mit welchem Programm Du die Musik abspielst.

Wichtig ist auch, dass Deine Software mit einem Mikrofon umgehen kann. Sonst musst du zusätzlich den Umweg über ein Mischpult nehmen.

Im Internet gibt es verschiedene Anbieter von Radio-Software, die natürlich Deine Bedürfnisse als Radio-Moderator abdecken. Einige Programme möchtest Du Dir garantiert nicht leisten. Es gibt allerdings eine Firma in Amerika, die zu einem relativ günstigen Preis ein gutes Programm anbietet. Hier kannst Du Dir aussuchen, ob die eine Radio-Software, eine Streaming-Software oder eine Cloud-Lösung nutzen möchtest.

Welches Programm Du einsetzt, musst Du selber ausprobieren. Jeder hat seine eigenen Wünsche, aus diesem Grund kann ich hier keine Empfehlungen geben. Es gibt einige OpenSource- oder Freeware-Programme, die Du zum Senden nutzen kannst. Die Suchmaschine Deines Vertrauens wird Dir helfen.

Musik

Musik gibt es auf CD oder auf den bekannten Musik-Plattformen zum herunterladen. Prinzipiell kannst Du alles senden, was von der GEMA lizenziert ist. Möchtest Du hingegen GEMA-Freie Musik senden, ist dies auch in Ordnung. Allerdings musst Du GEMA zahlen, sobald Du nur ein einziges Lied aus dem GEMA-Lizenzpool sendest.

Wenn Du hierzu Fragen hast, empfiehlt sich ein Gang zu einem Fachmann.

Stream

Streamanbieter gibt es viele. Prinzipiell sind die Preise nicht ganz billig. Du musst selber entscheiden, ob Du einen Stream mietest oder einen eigenen Streamserver aufsetzt. Für den Eigeneinsatz bietet sich bspw. Icecast2 an, welcher relativ einfach und schnell konfiguriert ist. Allerdings solltest Du vorher mit Deinem Serveranbieter absprechen, wie das mit dem Datendurchsatz aussieht. Denn so ein Streamingserver erzeugt viel Datenverkehr, was letztendlich wiederum der Grund ist, warum dieser so teuer ist (anders kann ich mir die Preise nicht erklären).

Einen Streamingserver kannst du bereits ab 5 bis 200 Personen und mehr mieten. Je teurer die Angebote werden, um so mehr Zusatzfunktionen hast Du in der Regel. Beispielsweise ist ein AutoDJ hilfreich, der Musik sendet, wenn kein Moderator Live On Air ist.

Homepage

Die Homepage ist eines der billigsten Posten eines Webradios. Webspace mit PHP und Datenbank gibt es bereits für wenig Geld. Was Du beim Einrichten der Homepage beachten solltest, das habe ich im Artikel Webseiten für Webradios erstellen beschrieben.

Der Papierkram – Webradio anmelden

Sicher kennst Du den Spruch: „Kein Geschäft ist gemacht, bevor nicht der Papierkram erledigt ist!“ Selbiges gilt auch für Webradios. Hier gibt es gleich zwei Organisationen, bei denen Du Dich melden musst. Tust Du das nicht, gilt Dein Sender als Piratensender. Und das kann teuer werden.

Zunächst gibt es die GEMA, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Das Anmelden Deines Radios geht hier relativ einfach. Dafür musst Du im Lizenzshop nach Webradio suchen. Nachdem Du Dich versichert hasst, dass Du die Bedingungen als Webradio einhalten wirst, bestellst Du Dir eine Lizenz. Nach der Anmeldung könntest Du (nach Angaben der GEMA) rein theoretisch schon lossenden. Die Bankverbindung hast du bereits angegeben, wird also alles abgebucht.

Theoretisch? Ja, denn es gibt noch eine zweite Gesellschaft: Die GVL, lang ausgesprochen Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH. Auch bei ihr musst Du Dich anmelden. Bevor Du anfangen kannst mit senden, musst Du die Genehmigung der GVL abwarten. Ab dann bekommst Du auch jedes halbe Jahr eine Rechnung.

Mit welchen Kosten hast Du zu rechnen? Die GEMA verlangt pro Monat einen festen Preis, der zum aktuellen Zeitpunkt etwa 33 Euro beträgt. Die GVL hingegen rechnet pro Hörer ab. Das bedeutet, dass Du die Anzahl der Hörer an die GVL melden musst und diese dann eine Rechnung schreibt. Je mehr Hörer Du hast, um so mehr musst Du bezahlen.

Sonstige Hardware

Wenn Du eine anständige Software zum Senden hast, brauchst Du kein Mischpult. Ich habe Jahrelang ohne gesendet. Irgendwann habe ich mir den Luxus einer USB-Soundkarte als zweite Soundkarte gegönnt, um Lieder vorhören zu können.

Gesendet habe ich mit einem Headset, was nicht mehr als 20 Euro gekostet hat. Natürlich kannst Du auch ein richtiges Mikrofon nehmen. Dazu empfiehlt sich ein Mikrofon-Halter. Außerdem sind Kopfhörer sehr hilfreich, wenn Du Deine Familie nicht stören oder Lieder vorhören möchtest.

Sonstige Software

Sehr hilfreich ist ein Programm zur Verwalten der Musik. Unter Verwaltung verstehe ich Musik von CD rippen, ID3-Tags bearbeiten und in Ordner organisieren.

Ebenfalls Hilfreich ist ein Programm zum schneiden von Audio-Dateien. Damit werden unter anderem Jingles produziert.

Hast Du einen eigenen Streaming-Server, empfehle ich Dir einen Blick auf AirTime. Damit kannst Du Sendungen planen und einen AutoDJ einrichten.

Quintessenz

Zunächst klingt alles komplexer als es wirklich ist. Prinzipiell kann so ein Radio innerhalb weniger Tage laufen. Empfehlenswert sind Mitstreiter, die Dich bei Deinem Vorhaben unterstützen.

Fang am besten klein an. Nutze die Technik, die Du schon hast. Kein Mensch braucht ein teures Tonstudio zum senden. Auch eine Webseite ist schnell eingerichtet.

Was auf alle Fälle vorher geklärt sein sollte ist die Finanzierung. Dann steht den ersten Sendungen nichts mehr im Wege.

Danksagung

Mein Dank geht an Hajo von UnserDiscofoxRadio für die Beantwortung einiger Fragen bei meiner Recherche.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

2 Kommentare

  1. byTrackz

    Und muss ich mein Webradio auch anmelden, wenn ich nur GEMA-freie Musik spiele ??

    Antworten
    1. Falk Döring (Beitrag Autor)

      Hallo,

      rein theoretisch sollte das klappen. Allerdings musst du gegenüber der GEMA nachweißen, dass die Musik GEMA-Frei ist. Es ist nicht so, dass dir die GEMA nachweißen muss, dass du lizenzierte Musik spielst. Und sobald du auch nur ein GEMA-Lied gesendet hast (und sei es aus Versehen), bist du zur Zahlung verpflichtet. Zu diesem Thema gibt es viele Diskussionen. Einfach mal die Suchmaschine deines Vertrauens bemühen.

      Viele Grüße,

      Falk

      Antworten

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