PHP-Fusion als CMS – Ein Erfahrungsbericht

Laptop mit Webseiten

Vor einigen Tagen habe ich eine Anfrage erhalten, ob ich beim erstellen einer Radio-Homepage helfen kann. Natürlich habe ich dem zugestimmt. Die Grundvoraussetzungen waren wie bei jedem Webradio: Das CMS soll mit PHP-Fusion funktionieren. Heutzutage keine gute Idee, wie ich schnell herausfinden sollte.

Nach vielen Jahren das erste Mal wieder PHP-Fusion

Es ist schon einige Jahre her, als ich mich mit PHP-Fusion beschäftigen musste. Schon damals war es nicht das Werkzeug meiner ersten Wahl, doch da alle Webradios damit arbeiteten, wollten auch die Radios bei denen ich war damit die Webseite verwalten.

Jetzt, Februar 2018, war es also wieder soweit. Ich musste mich mit diesem CMS beschäftigen. Doch leider scheiterte schon die Installation.

Altlasten

Eigentlich ist die Installation ganz einfach. Ich lud mir zunächst die aktuelle PHP-Fusion-Version auf meinen Rechner. Dies ist die Version 7.02.07. Aus meiner Erinnerung wusste ich, dass ich auch noch das deutsche Sprachpaket nachinstallieren muss. Auch das kein Problem. Vor der Installation packte ich beide Pakete in ein Verzeichnis und los gings.

Ich kam auch bis zur Eingabe der Datenbank-Daten, dann bekam ich eine Seite mit dem Hinweis „Richte Datenbank ein“ und das wars. Es passierte nichts mehr. Was war geschehen?

Ich nutze inzwischen PHP 7.1 für meine Webseiten-Entwicklungen. PHP-Fusion benötigt als Treiber für die MySQL-Datenbank die mysql-Extension, die allerdings seit PHP 5.5 veraltet und seit Version 7.0 nicht mehr mitgeliefert wird. Es wird empfohlen, den mysqli-Treiber oder PDO zu nutzen. Diese Umstellung ist allerdings in PHP-Fusion (bis jetzt) nicht erfolgt.

Nun werden sich einige sagen: „Dann nutze ich halt weiterhin PHP 5“ Doch wie Du unter http://de2.php.net/supported-versions.php nachlesen kannst, wird PHP 5 schon seit Januar 2017 nicht mehr unterstützt. Aus Nettigkeit gibt es wenigstens noch Sicherheitsupdates bis Ende 2018. Dann dürfte PHP 5 komplett tot sein.

Wars dass?

Das war es natürlich noch nicht. Ein Webradio hat natürlich auch einen Sendeplan und dergleichen. Es gibt einen Anbieter, der Radio-Scripte für PHP-Fusion zur Verfügung stellt. Allerdings musste ich mich zunächst auf der Seite registrieren. In Ordnung. Wenn ich jetzt die Scripte runterladen möchte, muss ich vorher eine Webseite angeben und dort eine vorher definierte HTML-Datei erstellen. Wird diese gefunden, kann ich endlich die Plugins herunterladen. Als ich das gesehen hatte fragte ich mir nur noch: Häää?

Meine Meinung

Fangen wir mal mit PHP-Fusion an. Ja, das Programm ist einfach zu nutzen. Allerdings scheint die Weiterentwicklung zu stagnieren. Es gibt zwar auf der Webseite einen Hinweis auf PHP-Fusion 9, doch die letzte RC (Release-Candidate, das heißt eine Vorschau auf ein möglichst fertiges Produkt) ist vom August 2016. Ich bin von anderen Projekten eine andere Entwicklung gewohnt. Für mich ist das ein Grund, PHP-Fusion nicht einzusetzen.

Das nächste geht es um die Plugins für Webradios. Big Brother ist Watching you. Das ich als Programmierer gern wissen möchte, wo meine Programme eingesetzt werden, verstehe ich. Ich habe auch einige Libraries in PHP programmiert und bei Github zur Verfügung gestellt. Ich weiß, dass diese genutzt werden, aber mehr auch nicht. Und das finde ich in Ordnung. Jemanden auf diese Art zu zwingen sich Transparent zu machen finde ich nicht schön und würde ich auch nicht mitmachen.

Was nun?

Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gibt. Über einen Sendeplan in WordPress habe ich bereits geschrieben. Auch könnte ich mir Bolt als Grundlage vorstellen. Allerdings sind hier höhere technische Hürden zu nehmen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, bei entsprechender Nachfrage einen Prototypen zu entwickeln.

Aber was sollen die Anderen machen?

Wer PHP-Fusion einsetzen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er nutzt auf seinem Webspace PHP 5. Dann liegt es am Hoster, wie lange dieser noch PHP 5 zur Verfügung stellt. Parallel würde ich bereits jetzt versuchen, PHP-Fusion unter PHP 7 zum laufen zu bekommen. Das erfordert allerdings Programmierkenntnisse. Und zweitens sollte man keinen Code ändern, ohne die Änderungen dem Projekt zurück zu geben. Aus einem einfachen Grund: Habe ich eigenen Änderungen vorgenommen und die Software wird aktualisiert, sind meine Änderungen weg. Oder ich nutze eine Versionsverwaltung und kann diese Änderungen wieder nachstellen. Dies bedeutet allerdings auch wieder viel Aufwand. Wäre Dir das wert?

Die zweite ist Möglichkeit wäre, auf die Version 9 zu warten.

Alternativ könnt Ihr Euch ein anderes CMS auswählen. Mit Hilfe von Plugins kann man viele Funktionen nachrüsten. Hier muss man nur etwas kreativ sein. Eine Hilfestellung findet Ihr im Artikel Webseiten für Webradios erstellen.

Über den Autor

Falk Döring
Falk ist der Gründer von stubenradio.de. Einige Jahre war er Moderator und stellvertretender Sendeleiter in verschiedenen Webradios und kennt das typische Auf und Ab. Eines Tages hatte er die Nase voll und hörte auf zu moderieren. In diesem Blog veröffentlicht er seine Erfahrungen, gibt einen Blick hinter die Kulissen und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Webradio.

2 Kommentare

  1. JustMe

    Hinweis:
    Sicher hast du dir PHP Fusion v7 bei den Engländern besorgt.
    Die deutsche NSS Seite bietet schon länger ein aktualisiertes Paket an, dass per PDO oder wahlweise MySQLi auf die Datenbank zugreift und sogar unter PHP 7.2 läuft.
    Auch was die Recherche nach Webradio-Erweiterungen betrifft warst du bei deiner Suche offenbar nicht sehr gründlich, denn es gibt nicht nur den einen von dir beschriebenen Entwickler.
    Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber deine Empfehlungen basieren auf Halbwissen.

    Antworten
    1. Falk Döring

      Hallo JustMe,

      vielen Dank für deinen Hinweis. Ja, ich habe PHP Fusion von den Engländern besorgt, weil dies, wie du oben lesen kannst, vom Auftraggeber angefragt war. Ich empfehle in meinem Artikel PHP Fusion 7 nicht zu nutzen. Dein alternativer Vorschlag widerspricht in keinster Weise meinem Artikel und bestätigt sogar meinen letzten Satz.

      Deinen letzten Satz interpretiere ich mal positiv: Ja, ich hatte keine Kenntnis über eine deutsche NSS-Seite. Dies würde ich allerdings nicht als Halbwissen bezeichnen, sondern für meinen eigentlichen Zweck des Artikels als nicht relevant. Bei Gelegenheit werde ich mich mit deiner vorgeschlagenen Version beschäftigen.

      Antworten

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